Das Contemporary Drama Festival in Budapest

Das Theater hatte für viele Jahre einen großen Hang zum Realismus. Erst zum Ende des XIX Jahrhunderts tauchte eine Veränderung innerhalb dieser Tendenz auf und dies vor allem durch diverse künstlerische Avantgarden und den Beginn der Moderne. So ging das Theater, ausgelöst durch die Fortschritte in den visuellen Medien, den Symbolismus und die Abstraktion einen Schritt weiter auf den Ebenen der Repräsentation, Inszenierung und den Ansätzen. Heute verwendet die zeitgenössische darstellende Kunst diverse neue Medien die von Video bis zu Installation reichen, in den immer minimaleren und konzeptuelleren Inszenierungen treten neue ästhetische und politische Register und aktuelle und kontroverse Erzählungen in Dialog.

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Vieleicht ist das wichtigste Beispiel des modernen Theaters der Ubu Rey von Alfred Jarry, ein Stück mit vielzähligen Variationen und wiederkehrenden Themen, das sowohl die Bühne wie auch das repräsentierte Thema durch eine für seine Epoche wirklich erstaunliche politische Ironie behandelt. Jarry war ein Visionär und als solcher der Vorgänger des Dadaismus und anderen “Ismen” der Epoche. Das Eigentümliche eines Stückes wie Ubu Rey ist neben seinem hohen Grad an Sarkasmus, der Hinterfragung des Politischen und einer unbeständigen anarchistischen Qualität, dass es sich aus einem Spiel von Bedeutungen und einer sehr komplexer Sprache heraus strukturiert, bei welcher der Leser oder Theaterbesucher nicht mehr tun muss als sich mitreißen zu lassen durch die inszenierten Logikspiele. Von diesem Werk wird sich auch der minimale Charakter der Inszenierung der zeitgenössischen Kunst ableiten.

Antonin Artaud wird innerhalb der theatralischen Kreation einen Schritt weiter gehen. Mit seinen Theorien über das “Theater der Grausamkeit” schlägt er neue noch abstraktere und sogar metaphysische Medien innerhalb der Inszenierung vor. Nach seinen Erfahrungen mit Peyote bei dem Stamm der Tarahumaras in Mexiko verstand Artaud das Theater als eine intensive Entdeckung des Unbewussten die außerdem eine rituelle Essenz in der Inszenierung entwickelt. So lässt Artaud in seinen Stücken Farben als präsente Substanzen auftauchen oder Erscheinungen, die auf der Bühne an Volumen gewinnen. Das was Artaud treibt, ist nicht der gefestigte Blick auf die Welt sondern genau sein Gegenteil. Artaud offenbart die geringe Tiefe des menschlichen Geistes und die Angst vor der Leere, die Unfähigkeit zu sein oder sich in der Gegenwart zu befinden ohne es wahrzunehmen, mit jedem Atemzug, dass es um uns herum nicht mehr gibt als eine klägliche Konstruktion von Signifikaten und dass die Realität selbst eine leere Erfindung ist, ohne eine andere Dichte als die ihr von der Kultur verliehenen, mit der man uns irritiert, beherrscht und manipuliert.

Das Contemporary Drama Festival von Budapest gibt es mittlerweile schon seit über zehn Jahren. In dieser Zeit wurden hier hunderte von internationalen Produktionen realisiert und das Festival weckt immer wieder großes Interesse bei ungarischem und internationalem Publikum. Dieses Festival ist ein mehr als interessanter Raum in dem neue Ansätze des Theaters und der Performance in einen Dialog treten, sich vermischen und neue Kreationen generieren. Für mehr Information besuch die folgende Website: http://dramafestival.hu/

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